Das Waldhorn – Geschichte, Entwicklung und Bedeutung
Begriff und internationale Bezeichnungen
Der Name Waldhorn leitet sich vom Jagdhorn des späten 17. Jahrhunderts ab. Heute gebräuchliche Hörner sind in der Regel F/B-Doppelhörner.
In anderen Ländern trägt das Horn unterschiedliche Bezeichnungen:
- Großbritannien, USA: french horn
- Italien: corno
- Frankreich: cor
- Dänemark, Schweden: horn, waldhorn
- Niederlande: hoorn, waldhoorn
- Spanien: cuerno, trompa
- Portugal: trompa
- Tschechien: lesní
- Polen: rog
- Ungarn: vadaszkürt
Die Geschichte des Horns
Ursprünge
Lange vor unserer Zeitrechnung entstand der erste Hornton – vermutlich im Orient. Früheste Blasinstrumente bestanden aus Schneckengehäusen, Tierknochen, Pflanzenrohren oder ausgehöhlten Büffelhörnern. Das jüdische Schofar, ein mundstückloses Widderhorn, wird bereits in der Bibel erwähnt und ist bis heute Teil religiöser Rituale.
Über die Etrusker gelangten gebogene Terrakotta-Hörner nach Italien. Die Römer entwickelten daraus militärische Signalhörner wie Cornu, Tuba und die mächtige Buccina. Parallel dazu existierten in Nordeuropa die kunstvoll gefertigten bronzezeitlichen Luren.
Mittelalter
Hörner dienten als Signalgeber: Stadtwächter bliesen die Stunden, Hirten riefen ihr Vieh, Bäcker kündigten frische Ware an und Metzgergesellen nutzten Hörner als akustische „Postboten“. Auch hölzerne Instrumente wie das Alphorn entwickelten sich in dieser Zeit.
Jagdhörner
Bereits im 12. Jahrhundert finden sich Erwähnungen von Jagdhörnern. Im 17. Jahrhundert entstanden komplexe Signale und erste musikalische Anwendungen. Die berühmten Parforcehörner des 18. Jahrhunderts prägten die Jagdmusik nachhaltig.
Vom Jagdhorn zum Waldhorn
Um 1700 entwickelte sich aus dem Parforcehorn das kleinere, kreisrunde Waldhorn mit weiterem Schallbecher und wärmerem Klang. Im 18. Jahrhundert wurde das Horn fester Bestandteil europäischer Orchester.
Anton Joseph Hampel revolutionierte das Spiel durch die Handstopftechnik und durch die Einführung von Inventionshörnern mit austauschbaren Bögen. 1818 erfanden Stölzel und Blühmel schließlich das Ventilsystem, das das Horn vollständig chromatisch spielbar machte.
Bedeutende Hornisten
Zahlreiche Musiker prägten die Entwicklung des Horns. Eine Auswahl historischer und moderner Hornisten:
- Gottfried Reiche (1667–1734)
- Marquis de Dampierre (1676–1756)
- Anton Joseph Hampel (ca. 1705–1771)
- Ignaz Leutgeb (ca. 1745–1811)
- Giovanni Punto (1746–1803)
- Franz Joseph Strauss (1822–1905)
- Dennis Brain (1921–1957)
- Barry Tuckwell
- Froydis Ree Wekre
- u. v. m.
Komponisten und Werke für Horn
Das Horn inspirierte Komponisten aller Epochen. Zu den bedeutendsten Werken zählen:
- Wolfgang Amadeus Mozart: Hornkonzerte KV 417, 447, 495; Horn-Quintett KV 407
- Johannes Brahms: Horntrio op. 40
- Richard Strauss: Hornkonzerte Nr. 1 & 2
- Beethoven: Pastoralsymphonie – Hirtengesang
- Händel: Wassermusik, Feuerwerksmusik
- Rossini: Le Rendez-vous de Chasse
- Britten: Serenade op. 31
- und viele weitere
Hornschmieden – Hersteller weltweit
Moderne Waldhörner werden von zahlreichen renommierten Herstellern gefertigt. Einige bekannte Marken:
Alexander, Amati-Kraslice, Benicchio, Besson, Bohland & Fuchs, Boosey & Hawkes, Conn, Courtois, Geyer, Holton, Jiracek, King, Knopf, Kruspe, Lidl, Melchior, Monke, Paxman, Reynolds, Sansone, Scherzer, Schmidt, Selmer, Yamaha, York u. a.
Quelle: Janetzky, K. & Brüchle, B. (1977). Das Horn. Schott Verlag.